Kreis Heidenheim  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bioprodukte und Bioproduktion

29.01.01 Hohe Sicherheit vor BSE
25.02.03 Stolz auf Imkermeister Günter Friedmann
22.02.03 Demeter-Rapsöl als Speiseöl

18.03.08
Bio-Boom unter die Lupe genommen

 

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29.01.01
Erste Hauptversammlung bei ÖkoFair

Hohe Sicherheit vor BSE
Fünfköpfiger Vorstand gewählt

(hmh) Der Heidenheimer Agenda-Prozess habe in der Vorstandsarbeit von Kern & Korn immer mehr Raum eingenommen, sagte Hans-Martin Hartmann bei der ersten Hauptversammlung von ÖkoFair. Nachdem die Projektgruppe ÖkoFair Fördermittel des Ministeriums für Umwelt und Verkehr erhalten hatte, sollte sie auch ein organisatorisches Dach bekommen. Dies geschah auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 7. November, wo sich Kern & Korn eine neue Satzung und den neuen Namen gab. ÖkoFair steht seither für ökologische und fair gehandelte Produkte und Dienstleistungen im Kreis Heidenheim. Der ökologische Landbau ist entsprechend den alten Vereinszielen besonders stark vertreten. Daneben sind nun aber der Naturkosthandel, eine Bäckerei, zwei Gärtnereien, ein Naturtextilienhandel und der Weltladen getreten. Zahlreiche Verbraucherinnen und Verbraucher unterstützen die neue Marketing Initiative für nachhaltiges Wirtschaften.

In seinem allgemeinen landwirtschaftlichen Lagebericht ging der alte und neue Vorsitzende auf die BSE-Krise ein. Diese habe, so Hartmann, allen die Augen geöffnet für die Entgleisungen der industrialisierten Landwirtschaft. Er hoffe, dass die Verbraucher sich verstärkt zu hochwertigen Lebensmitteln hin orientieren würden. Dies sei für biologische Lebensmittel eine riesigen Chance. „Obwohl auch Bio-Betriebe nicht für BSE-Freiheit garantieren können, hat der Verbraucher dort eine hohe Sicherheit, denn das im Verdacht stehende Mischfutter ist nach den strengen Richtlinien des Bio-Landbaus nicht erlaubt“, sagte Hartmann.

Im vergangenen Jahr habe er sich in einem Brief an die Landtagsabgeordneten und an alle Mitglieder der Landtagsausschüsse für Landwirtschaft und Umwelt gewandt, um im Zuge der Reform der SchALVO (Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung) und des MEKA (Marktentlastungs- und Kulturlandschafts-Ausgleichprogramm) Verbesserungen für die Bio-Bauern zu erreichen. Dies sei vergeblich gewesen und so treibe das Programm seltsame Blüten. Mit Computerprogrammen werde errechnet, welche Bewirtschaftungsmaßnahme am meisten Zuschüsse bringt. „Generell ist an MEKA zu kritisieren, dass das Ziel einer schonenden Landbewirtschaftung selten mit sinnvollen, aufeinander abgestimmten Maßnahmen erreicht wird, wie es im Bio-Landbau selbstverständlich ist“, meinte Hartmann.
Dieter Klein legte in seinem Kassenbericht dar, dass die Kasse ein stattliches Poster aufweist. Dies sei auf die Hoffeste der vergangenen Jahre zurückzuführen. Die Kassenprüfer Rainer Jacob und Kurt Kinzler bestätigten die vorbildliche Kassenführung. Die Vorstandsneuwahlen erbrachten folgendes Ergebnis: Hans-Martin Hartmann (Vorsitz), Ingrid Hinderer (Kasse), Günther Friedmann, Hans-Peter Mack und Angela Wesser (jeweils Beisitzer). Der Akteursversammlung gehören 18 Mitgliedsbetriebe an. Als Kassenprüfer wurden Rainer Jacob und Kurt Kinzler bestätigt.

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25.02.03
FÖR-Mitgliederversammlung
Stolz auf Imkermeister Günter Friedmann

Bio-Landwirtschaft blutet schuldlos für Nitrofenskandal

(hmh) Demeter-Imker Günter Friedmann ist der erste baden-württembergische Preisträger überhaupt, dem Ministerin Künast den von ihrem Ministerium ausgelobten Förderpreis für ökologische Landwirtschaft überreichen konnte. Bei FÖR berichtete der Imkermeister über die Preisvergabe und seine eigenen Ziele. Angespornt durch den Preis, wolle er seine Forschungsprojekte verstärkt fortführen und in nächster Zeit über die Schwächung der Vitalität der Bienen aufklären. Die Schuld am dramatischen Rückgang der Bienenvölker sieht er in der Umstellung der Landwirtschaft von Heu- auf Silagebevorratung, wobei das Wiesengras noch vor der Blüte geschnitten werde. Mit dem Preisgeld wolle er ein Buch über ökologische Imkerei schreiben. Vorsitzender Hans-Martin Hartmann erklärte, der Verein sei stolz, einen so engagierten Mann in den eigenen Reihen und im FÖR-Vorstand zu wissen.

Den allgemeinen Teil des Rechenschaftsberichts zur Lage der Öko-Landwirtschaft im abgelaufenen Jahr trug Hans-Peter Mack vor. Das Jahr habe im Zeichen des Nitrofenskandals gestanden. Obwohl nicht die Öko-Landwirte, sondern der nachgelagerte Bereich der Lagerung und Logistik die Schuld trage, blute die Ökolandwirtschaft dafür. Der sich gerade etablierende Bio-Handel in den Supermärkten habe einen Einbruch von 80 bis 90 Prozent hinnehmen müssen, was bei Milch, Getreide und Gemüse auf die Landwirtschaft durchschlage. Dabei gelingt nach Meinung des Biobauern die Ausweitung des Bio-Sektors nur über große Märkte. Vom Skandal sei nur der Einzelhandel verschont geblieben. Skeptisch zeigte sich Mack auch bezüglich des neuen Biosiegels. Ihm zufolge begünstigt es Billigimporte aus dem Ausland mit niedrigerem Qualitätsstandard als es die Produkte haben, die unter den herkömmlichen Markenzeichen der Anbauverbände wie Bioland und Demeter vermarktet werden. Mit Öffentlichkeitsarbeit müsse auf diese Tatsche aufmerksam gemacht werden.

Hans-Martin Hartmann hob in seinem Rechenschaftsbericht hervor, dass die zwei FÖR-Maultaschen-Aktionen neben dem Marketing-Seminar für Direktvermarkter besonders gelungen waren und die Mitglieder mobilisiert hätten. Gelungen sei auch der Tag der offenen Tür in Günter Friedmanns Imkerei gewesen. Diese Betriebsbesichtigung sei der Auftakt zur Serie „die Ökoregion Heidenheim stellt sich vor“ gewesen. Daneben hätten einige FÖR-Ökobetriebe bei den Heidenheimer Agendatagen ein sehr gutes Multiplikatoren-Forum gehabt. Eine gute Kassenführung bescheinigten die Kassenprüfer Rainer Jacob und Kurt Kinzler dem Kassenwart Werner Laquai. So konnte der gesamte Vorstand entlastet werden. Er wurde bis auf Angela Wesser, die aus persönlichen Gründen verzichtete, erneut bestätigt.

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22.02.03
Gemeinschaftsveranstaltung von FÖR und Solar Mobil Heidenheim
Demeter-Rapsöl als Speiseöl

(hmh) Die Hoffnung von Solar Mobil Heidenheim, in der Region ökologisches Rapsöl produzieren zu können, um daraus einen ökologisch einwandfreien Ersatztreibstoff für Dieselfahrzeuge zu gewinnen, wurde im Vortrag von Gyso von Bonin bei der Gemeinschaftsveranstaltung von FÖR und Solar Mobil Heidenheim nicht erfüllt. Dies war das eine Fazit des Vortragsabends, das andere: ökologischer Rapsanbau ist möglich, was landläufig von der konventionellen Bauernschaft bezweifelt wird, und bringt für die landwirtschaftliche Kreislaufwirtschaft Vorteile.

Gyso von Bonin, der das Gut Körtlinghausen bei Warstein am nördlichen Rand des Sauerlands bewirtschaftet, ersetzte 2002 in seinem ausgedehnten landwirtschaftlichen Fuhrpark 12.000 Liter Diesel durch Rapsöl. „Ökologisches Rapsöl wäre dafür aber viel zu schade und zu teuer“, sagte der Demeter-Betriebsleiter und erklärte, dass er ins nordrhein-westfälische 100-Schlepper-Programm aufgenommen wurde, das bei voller Risikoübernahme den Betrieb seiner umgestellten Schlepper wissenschaftlich begleitet. Sommers würde er auch andere Fahrzeuge wie Mähdrescher mit Rapsöl fahren. Für den Winterbetrieb müssten die Fahrzeuge jedoch umgerüstet werden, eine Erfahrung, die sich mit den Heidenheimer Pflanzenölfahrern deckt.

Von Bonin war es wichtig zu zeigen, dass ökologischer Rapsanbau nur ganzheitlich, das heißt innerhalb eines größeren Systems möglich ist. Es gebe kein Rezept, sondern man müsse sich in den Bedarf der Rapspflanze hineindenken. In der 11-gliedrigen Fruchtfolge auf dem Hofgut stehe Raps an dritter Stelle nach Roggen mit Kleeuntersaat und Kleegras, welches zwei Jahre stehen bleibt. Danach komme Weizen, denn Raps erhalte den guten Boden, der vom Kleegras herrührt. Nach Stillegung und Landsberger Gemenge mit Inkarnatklee folge an siebter Stelle eine Zwischenfrucht, die den Zweck habe, etwas gegen die Schnecken zu tun, wobei dynamisierte Schneckenasche gespritzt werde. Danach folge Wintergerste, dann eine Zwischenfrucht aus Malven und Wicken zur Bodenverbesserung. Hafer, Kartoffeln und Bohnen seinen die letzten Früchte in der „Runde“. Immer wieder betonte von Bonin die Bedeutung des Hackens, was in Körtlinghausen maschinell ausgeführt wird. Raps brauche auch Spritzungen mit Kieselpräparaten, um die Qualität zu verbessern. Auch die Tierhaltung sei unerlässlich, um einen hochwertigen Kompost zu erzeugen. Bezüglich Schlagvorbereitung, bevorzugter Witterung, Pflege und Ernte des Rapses ging der Referent weiter in Einzelheiten. Im Schnitt erntet von Bonin 22 bis 23 Doppelzentner Raps von einem Hektar. Selten würden Schädlinge eine Schadschwelle von fünf Prozent überschreiten.

Der Raps wird in einer eigenen Presse kalt gepresst, ab Hof in Flaschen abgefüllt und geht zu einem Preis in den Verkauf, der doppelt so hoch ist wie das konventionelle Rapsöl. Der Rest, der sogenannte Rapskuchen stelle mit Hafer vermengt ein hochwertiges Kraftfutter dar. „Raps rundet die Kreislaufwirtschaft am Hof hervorragend ab“, so das Fazit des Referenten.

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14.03.08
Bio-Boom unter die Lupe genommen

„Bio boomt – aber ist Bio auch immer gleich Bio?" Darum ging es beim Vortrag des Vereins FÖR (fair, ökologisch, regional) im Eugen-Loderer-Zentrum mit dem Referenten Achim Wagner, Marketing-Verantwortlicher bei Demeter Darmstadt.

An der Diskussion beteiligten sich auch Vertreter von biologischer Landwirtschaft, Biohandel und Verbrauchern.

Laut Wagner gab es im Biohandel 2007 eine Umsatzsteigerung von 15 Prozent. Nicht zuletzt auch durch das immer größere Angebot an Bioprodukten in Supermarkt und Discounter. Mit der ständig wachsenden Nachfrage habe die inländische Produktion längst nicht Schritt halten können. So wuchsen zwangsläufig die Exporte der EU-Mitgliedsländer und auch von Drittländern nach Deutschland, da hier der größte Binnen¬markt innerhalb der EU existiere. Die entscheidende Frage sei, ob diese Produkte in ihrer Qualität und den ökologischen Standards mit den Erzeugnissen der hiesigen Landwirte vergleichbar sind, die den wesentlich strengeren Richtlinien und Kontrollen ihrer Verbände Demeter, Bioland oder Na¬turland unterworfen seien. Tatsache sei, dass das inzwischen in der EU eingeführte Bio-Siegel weit weniger strengen Kriterien unterliege und praktisch nur einen Mindest-Standard bei der Produktion ökologischer Lebensmittel garantiere. Die hierfür relevante EU-Ökoverordnung solle gerade jetzt wieder geändert werden.

Die Diskussion hierüber werde gerade innerhalb der Verbände des ökologischen Landbaus intensiv geführt, da verhindert werden solle, dass diese schon jetzt bereits niedrigen Mindest-Standards noch weiter aufgeweicht würden. Außerdem beschäftige die deutschen Produzenten und den Bio-Handel dabei sehr stark die Frage, ob neben dem europaweit einheitlichen EU-Siegel auch noch die bisherigen deutschen Bio-Siegel zulässig sind, um damit den hohen Qualitätsstandard der inländischen Produkte zu dokumentieren, so Wagner.

Für die einheimische biologische Landwirtschaft und den Bio-Handel werde es bei der gegenwärtigen Entwicklung unerlässlich sein, die Verbraucher umfassender als bisher zu beraten und die Qualitätsmerkmale ihrer Produkte herauszustellen.

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