Kreis Heidenheim  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gentechnik

13.01.04 Gentechnischer Eingriff verändert die ganze Pflanze
18.04.04 Großdemonstation gegen Gentechnik in Stuttgart
10.07.04 Säule des Widerstands gegen Agro-Gentechnik
16.11.04 Gentechnik kritisch betrachtet
11.10.05 Gefahr durch Gentechnik

13.03.08 Gentechnikfreier Kreis - Aktionsbündnis formierte sich in Herbrechtingen
11.04.08 Landkreis soll gentechnikfrei bleiben
13.05.08 "Der größte Angriff auf das Leben"

 

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13.01.04
Dr. Johannes Wirz über die Auswirkungen der Gentechnik auf die ökologische Landwirtschaft
Gentechnischer Eingriff verändert die ganze Pflanze


Dr. Johannes Wirz, Dornach

„Gentechnik geht am Bedürfnis der Menschen vorbei und trotzdem gibt es den unglaublichen Vorgang, dass eine Industrie versucht, gentechnisch veränderte Organismen (GVO) auf den Markt zu drücken“. Dies sagte Dr. Johannes Wirz, der am Forschungsinstitut des Goetheanums an gentechnisch veränderten Pflanzen forscht, bei seinem Vortrag bei FÖR. Jährlich wiederholte Umfragen bestätigten, dass 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung keine Gentech-Lebensmittel wolle.

Im Wesentlichen seien es vier GV-Pflanzen die heute weltweit im großen Stil produziert werden: Mais, Baumwolle, Soja und Raps. Die Anbaugebiete: USA, Südamerika und China. Es gehe um handfeste wirtschaftliche Interessen. So habe der Agrar-Chemie-Riese Monsanto die „geniale Geschäftidee“ gehabt, nach Auslaufen des Patents auf sein Herbizid Roundup, den BT-Mais zu züchten, der eben gegen dieses Herbizid resistent sei. Zum BT-Mais werde das Herbizid gleich mitgeliefert.

Wirz stellte den Ansatz der industriellen Landwirtschaft dem der ökologisch-nachhaltigen Landwirtschaft gegenüber. Die Agrarindustrie gehe das Problem der Unkräuter und Schädlinge aufs Produkt fokussiert an. „Man muss den Pflanzen helfen, sich besser wehren zu können“ sei deren Maxime. So pflanze man z.B. dem Mais ein Gen aus dem Kolibakterium ein, das in der Lage ist, das Herbizid zu spalten. Ein weiteres übertragenes Gen, das des Bazillus Thuringensis, produziert in den Zellen des Mais ein Toxin, das den Schädling abtötet. „Man hat aber vergessen aufs Umfeld zu schauen“. Schädllinge seien nach drei bis vier Jahren resistent geworden. Demgegenüber gehe die nachhaltige Landwirtschaftsforschung systemorientiert vor. Hans Heren, ein von der FAO preisgekrönter Wissenschaftler, habe in Afrika den Maisertrag um ein Vielfaches steigern können. Er habe herausgefunden, dass dort eine Untersaat mit Desmodium das Unkraut verdrängt und durch seinen Geruch den Maistängelbohrer verscheucht. Um das Maisfeld herum habe er einen Gürtel aus einer Grassorte angepflanzt, das die Schädlinge anlockt. Dieses Gras scheide einen klebrigem Saft aus, an dem der Schädling hängen bleibt.

Wirz konnte an seinen eigenen Forschungen zeigen, dass die gentechnische Manipulation einer Pflanze nicht einfach eine Eigenschaft hinzufügt, sondern dass dieser Eingriff die Pflanze insgesamt verändert.

Über ganz Großbritannien verteilt seien über 200 Versuche mit GV-Mais, -Zuckerrüben und -Raps durchgeführt worden mit dem Ziel, zu beweisen, dass eine Koexistenz von GVO und gentechnikfreier Produktion möglich ist. Ergebnis: bei Mais genüge ein Abstand von 80 Metern um weniger als ein Prozent an kontaminiertem Mais zu ernten, bei Raps sei jedoch eine Auskreuzung durch Pollenflug über 28 Kilometer beobachtet worden. Auf demselben Acker könne erst nach 16 Jahren damit gerechnet werden, dass weniger als ein Prozent der Ernte kontaminiert sei. „Dieser Versuch versetzte dieser Technologie den Dolchstoß“, so der Referent. In der selben Zeit hätten große Versicherer wissen lassen, dass das Risiko nicht versicherbar ist, wobei dieses mit Asbest und BSE verglichen wurde. In Großbritannien sei die Gegnerschaft zu Gentechnik dadurch gewachsen.

Die gentechnische Veränderung wirke sich auch auf die Nahrungsmittelqualität aus, sagte Wirz. Durch den Eingriff würden „Dinge passieren, von denen wir keine Ahnung haben“. So habe Arpad Pusztai GV-Kartoffeln an Ratten verfüttert und nachweisen können, dass dieses das Nerven- und Immunsystem schädigt. Erst kürzlich habe Greenpeace auf ein Viehsterben auf einem hessischen Bauernhof aufmerksam gemacht, wo seit drei Jahren auch GV-Mais verfüttert wird. Die Milchleistung sei zurückgegangen und Tiere hätten notgeschlachtet werden müssen. Die Proben, mit welchen man den Ursachen auf den Grund zu kommen hoffte, seien auf merkwürdige Weise verschwunden. Die Zeitschrift „Ecologist“ habe darauf hingewiesen, dass in Amerika seit zehn Jahren die Pubertät von Mädchen früher eintritt und sich ernährungsbedingte Krankheiten verdoppelt hätten, just in den zehn Jahren seit es dort gentechnisch veränderte Lebensmittel gibt. Einen Beweis für einen Zusammenhang habe sie naturgemäß nicht liefern können, da dies noch nie untersucht worden sei.

In Deutschland gebe es offenbar in der Haftungsfrage gegenüber bisheriger EU-Auffassung eine Wende. Trotzdem werde der Verbraucher damit rechnen müssen, dass Kosten von Untersuchungen und ein riesiger administrativer Aufwand auf den Preis aufgeschlagen werden. Die Eu zögere noch, den Grenzwert für Kontamination festzulegen. Nach Meinung des Referenten dürften ein bis zwei Prozent nicht überschritten werden, bei fünf Prozent bestehe Gefahr für die ökologische Landwirtschaft, da der Verbraucher dann nicht mehr bereit sei, für diese Produkte einen höheren Preis zu zahlen.

Schützen könne sich der Verbraucher nur durch seine Auswahl. Voraussetzung dazu sei eine absolut transparente Deklaration auf der Verpackung. Dies müsse genau kontrolliert werden. Zum Abschluss listete der Referent sieben Gegenstrategien gegen die der ökologischen Landwirtschaft von der Gentechnik drohenden Gefahr auf, wovon eine die Bewusstseinsbildung über den Zusammenhang von Kaufentscheidungen und Umwelt, Natur und Landwirtschaft sei.

Der FÖR-Vorstand kündigte an, dass der Verein in der Gentechnik-Frage aktiv werde.

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18.04.04
FÖR bei der Demonstration gegen Gentechnik in der Landwirtschaft und in der Nahrung in Stuttgart


Vorsitzender Hans-Martin Hartmann, Hans-Peter Mack, Günter Friedmann, Hildegard Mack bei der Demo

Unter den 10.000 Demonstranten gegen Gentechnik waren zahlreiche Mitglieder und der Vorstand von FÖR fair ökologisch regional in Küchenschürzen (. Die Gastrednerin Dr. Lilian Joensen kam aus Argentinien, einem der wenigen Länder, in denen die Agro-Gentechnik in großem Stil angewandt wird. Sie sagte, der Anbau von gentechnisch verändertem Organismen (GVO) sei ohne Wissen der Bauern und ohne gesellschaftliche Debatte bzw. Beschluss erfolgt. Sie hätten sich weit über das Land und bis in die Nachbarländer verbreitet. Die Saatgutfirma habe versprochen, die GVO ermögliche einen sparsameren Umgang mit Pestiziden. Das Gegenteil sei aber der Fall. Der Pestizideinsatz im Land habe sich verfünffacht. Argentinien, das früher ein bedeutender Agrar-Exporteur gewesen sei, leide heute selbst Hunger. Europaabgeordneter und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Wilhelm Graefe zu Baringdorf verglich die Gentechnologie mit der Atomtechnologie. Er wünsche nicht, dass es zu einem Tschernobyl der Gentechnik komme, aber erst dann würden die Politiker, die diese Technologie heute als Zukunftstechnologie begrüßten, aufwachen. Weitere Redner waren der Gründer des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie, Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Felix Prinz von Löwenstein, der Vorsitzende des Bundesverband für Ökologische Landwirtschaft und Christian Reutter, der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Tübingen.

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10.07.04
Säule des Widerstands gegen Agro-Gentechnik

Prof. Jeanette Zippel bei ihrer Einführung


Mit einer Audio-Performance umrahmte Prof. Zippel ihre Einführung

FÖR präsentiert seit 10. Juli eine Litfaßsäule im Foyer des Elmar-Doch-Hauses, auf der kapp 400 Bürgerinnen und Bürger des Landkreises abgebildet sind. Sie haben sich für gentechnikfreie Lebensmittel und einen (agro-)gentechnikfreien Landkreis Heidenheim ausgesprochen. Fotografiert hat sie Albrecht Briz, der auch für die Gestaltung der Litfaßsäule verantwortlich war.

Die Künstlerin und Professorin Jeanette Zippel umrahmte ihre Einführungsrede mit einer eigenen Audio-Performance. Im Mittelpunkt standen philosophische Betrachtungen über die Schöpfung. Die Vielschichtigkeit sei das tragende Prinzip der Naturschöpfung. Der Künstler Briz habe dieses Prinzip benutzt und mit Fragen der Problematik der Gentechnik verknüpft, die die Grundidee der Vielfalt der Naturerscheinungen durch ein technologisch einseitiges Gedankenmuster in Gefahr bringe. „Erweitert der Mensch die Schöpfung, bewegt er sich noch in einem überschaubaren Aktions- und Reaktionsfeld. Greift er in ihre Grundstrukturen ein, so wie wir das schon in der Entwicklung der Atomphysik beobachten konnten, entziehen sich Risiken und Folgen aus dem direkten Wahrnehmungsfeld des einzelnen Menschen“. Das einmal freigesetzte Gefahrenpotenzial übersteige dann bei weitem die Möglichkeit einer direkten Reaktion durch Handeln einzelner Menschen, sagte Zippel. Diese Gefahr sei bei der Agro-Gentechnik gegeben, was das Beispiel Amerika und Kanada zeige, wo offensichtlich werde, dass biologische Landwirtschaft nicht neben gentechnisch beeinflusster Landwirtschaft betrieben werden könne, weil letztere die andere überrollt, beziehungsweise überwächst.

Die Forderung einer gentechnikfreien Zone Heidenheim bedeute Unterstützung der Unabhängigkeit der Landwirtschaft von Großkonzernen, die die Gentechnik dazu benutzen, um über Saatgut-Monopole die Bauern wirtschaftlich abhängig zu machen. Kulturschaffende würden aus Einsicht in Naturzusammenhänge auf Seiten derer stehen, die zur Entstehung einer ersten Säule des Widerstandes beigetragen haben.

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16.11.04
Gentechnik kritisch betrachtet
Rottach: Hungerproblem so nicht zu lösen / Gentechnikfreies Heidenheim?

Peter Rottach („Brot für die Welt“) beleuchtete bei einem vom Evangelischen Bauernwerk, FÖR und vom Forum Bildung & Entwicklung veranstalteten Podiumsgespräch die Perspektive der Gentechnik aus dem globalen blickwinkel, Hans-Peter Mack, Landwirt aus Steinheim, steuerte die loikale Sicht bei. Auch die anvisierte gentechnikfreie Anbau-Zone Heidenheim wurde angesprochen. Dr. Jörg Wagner moderierte. Zuvor konnten sich die Besucher durch einen vom Talhof und dem Weltladen vorbereiteten Imbiss von der Qualität nicht gentechnisch erzeugter Lebensmittel überzeugen.


Von links: Peter Rottach (Brot für die Welt), Dr. Jörg Wagner, Landwirt Hans-Peter Mack, Sontheim i.St.

„Nachdem die Gentechnik von der Bevölkerung abgelehnt wird, haben ihr deren Vorkämpfer ein soziales Mäntelchen umgehängt, indem sie behaupten, nur mit Gentechnik könne das Hungerproblem gelöst werden“, sagte Rottach. Dies sei aus mehreren Gründen falsch. Gentechnik-Forschung sei teuer und die Armen könnten sie sich gar nicht leisten. Des weiteren sei die Ursache des Hungers die weltweite Ungerechtigkeit. Außerdem hätten gentechnisch veränderte Sorten bisher zu keiner Ertragssteigerung geführt. Eine Ertragssteigerung sei auch nur zu 30 – 40 Prozent mit genetischer Optimierung zu erreichen. Viel wirksamer sei die Verbesserung der Umweltfaktoren (Wasser, Erosionsschutz). Man müsse Hunger vielmehr durch Landreformen, Erhöhung des Selbstversorgungsgrads, Saatgutvielfalt mit angepassten Sorten, Kostendämpfung beim Input und mit einer dem Bildungsstand entsprechenden Technologie bekämpfen. Nicht einmal in den USA, die Gentechnik am massivsten einsetzen, sei der Hunger besiegt.

Wie sehen die Fakten aus, die die Gentechnik bisher geschaffen hat? 80 Prozent der gentechnisch veränderten Pflanzen (GVO), hauptsächlich Soja, Mais, Baumwolle und Raps, seien keine Grundnahrungsmittel der Armen, sondern dienten als Viehfutter, so Rottach. Hauptmotiv für die Genmanipulation seien Resistenzen gegen Herbizide. GVO stünden somit allein im Interesse der industrialisierten Landwirtschaft, nicht der kleinen Bauern. Gentechnik führe zu einer weiteren Konzentration im Agro-Business. Schon heute kontrollierten fünf Unternehmen 77 Prozent des Weltgetreidehandels und 70 Prozent des Weltpestizidhandels. 30 Prozent des Saatguthandels seien in der Hand von sechs Unternehmen.

Rottach sagte, es sei ein Mythos, dass Gentechnik höhere Erträge bei geringerem Pestizideinsatz und geringeren Produktionskosten erbringe. Das Gegenteil sei richtig. Dies sei von wissenschaftlichen Studien erhärtet worden (Benbrook, Economic Research Centre, beide USA). Äußerst bedenklich sei es gentechnisch veränderte Pflanzen auf den Markt zu bringen, ohne die gesundheitlichen Folgen oder die Auswirkungen auf verwandte Pflanzen zu überprüfen.

Die Alternative zur grünen Gentechnik sei der nachhaltige Landbau. Eine Auswertung von 200 Projekten von Greenpeace und „Brot für die Welt“ habe ergeben, dass im Vergleich zum traditionellen Anbau mit dieser Landwirtschaftsform die Erträge gerade auch auf schlechten Böden enorm gesteigert werden konnten.

Landwirt Mack leitete aus diesen Fakten die Notwendigkeit ab, gentechnikfreie Anbau-Regionen zu schaffen. Er nannte zehn gute Gründe, dies zu tun. So würden gentechnikfreie Regionen Mehrkosten in der Produktion vermeiden helfen, denn parallele Produktion von GVO und GVO-freien Pflanzen verursache bis zu 40 Prozent höhere Kosten auf Seiten der GVO-freien Produzenten durch Maßnahmen zum Schutz vor Verunreinigungen und Trennung der Warenströme. Gentechnikfreie Anbau-Regionen würden auch Einnahmen sichern, da sie Kontamination minimieren. Produkte könnten so im Hoch-Qualitätssektor vermarktet werden, statt eine Abstufung zu erfahren. Bio- und konventionelle Bauern könnten ihre Einnahmen nur dann sicher planen, wenn sie in solchen Regionen ohne Verunreinigungen produzieren könnten. Am Beispiel des Maismarktes zeigte Mack, dass mit garantierter GVO-freier Produktion in gentechnikfreien Zonen auch neue Absatzmärkte erschlossen werden können. Da die amerikanischen Maisbauern aufgrund allgegenwärtiger Verunreinigungen in Europa keine Abnehmer mehr fanden, konnten gentechnikfreie Chargen aus Europa diese Lücke schließen – ein Geschäft im Wert von über 300 Millionen Dollar jährlich, das den Amerikanern entging. „Die hiesige Landwirtschaft verfügt zurzeit noch über einen großen Wettbewerbsvorteil: sie kann die Nachfrage nach garantiert gentechnikfreien Produkten befriedigen – und dies sogar auf dem asiatischen und dem US-Markt“, schloss Mack sein Plädoyer.

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11.10.05
Gefahr durch Gentechnik

Vorgänge auf dem hessischen Weidenhof - "Gentechnisch manipulierte Sorten nur nach arzneimittelrechtlichem Prüfverfahren in Verkehr bringen"

„Gentechnisch veränderte Organismen (GVO) sollten nur unter arzneimittelrechtlichen Bedingungen zugelassen werden dürfen. In Schadensfällen soll eine Produkthaftung greifen.“ Zum andern müsse in Europa die Gentechnikforschung intensiviert werden, damit die verantwortlichen Behörden in die Lage versetzt werden, Zulassungsanträge auch tatsächlich nachzuvollziehen. Dieses Fazit zog der hessische Landwirtschaftsmeister, Gottfried Glöckner, beim Verein FÖR aus einer über dreijährigen bitteren „Lehrzeit“.


Gottfried Glöckner, Landwirtschaftsmeister
aus Wölfersheim, Hessen

Glöckner baute 1997 als einer der ersten Landwirte in Deutschland den „BT-Mais 176“ von Syngenta an. Er kam zur Gentechnik, weil er die Betriebsabläufe auf seinem Hof perfektionieren wollte, berichtete er. Zunächst schien vom Ertrag und vom Bestand her alles in Ordnung. Damit, dass sich dieser Mais selbst gegen den Maiszünsler schützt, war er sehr zufrieden (dem Mais wurde ein Gen des Bazillus turingensis eingepflanzt, das die Maispflanze veranlasst, das Gift zu produzieren). Weniger zufrieden war er mit dessen Verfütterung als Silomais: „Wir hatten bemerkt, dass die Rationsberechnungen nicht stimmten, weil das Eiweiß nicht vollständig von den Tieren verwertet wurde“ - ein erstes Indiz, dass die von Syngenta behauptete „substantielle Äquivalenz“, also die inhaltliche Gleichwertigkeit zu nicht gentechnisch manipuliertem Mais, nicht stimmte. Daher entschloss er sich, Soja zuzufüttern.
Trotz dieser Ungereimtheiten bei der Eiweißaufnahme der Kühe weitete er den Anbau auf 10 Hektar aus und begann im Dezember 2000, zusätzlich Körnermais zu verfüttern. „ Anfang 2001 haben die Tiere einen weiß-klebrigen Durchfall bekommen. Es kam zu Wasseransammlungen in den Gelenken, zu Ödemen in den Eutern, Blutgefäße erweiterten sich und bei einzelnen Tieren platzten Adern. So kam gehäuft Blut in die Milch. Tiere hatten Nierenbeckenentzündungen, Blut im Harn und massive Stoffwechselstörungen.“ Die Tiere seien anfälliger für Krankheiten geworden. „Der Stall wurde zur Klinik, die Kühe an Infusionen angehängt, um den Betrieb aufrecht zu erhalten.“ Dann seien die ersten fünf Tiere gestorben. „Die Kühe kamen von der Weide heim und schliefen in der Box in den Tod.“ Glöckners Erklärung: CO-Vergiftung.
Erstmals fragte er sich, ob das Gift, das gegen den Maiszünsler wirkt, schuld sein könnte. Syngenta habe zunächst betont, dass das Toxin beim Siliervorgang geknackt werde, später, dass es im Magen der Kühe abgebaut werde. Misstrauisch geworden ließ er den Mais an einer staatlichen Untersuchungsanstalt testen. Ergebnis: pro kg Frischmais 8,3 mg Toxin. Letztlich wurde es überall gefunden, im Kot, im Blutkreislauf und in den Lymphknoten der Tiere. Trotz aller Rettungsversuche musste der Rest der 70-köpfigen Herde am Jahresende 2004 schmerzfrei eingeschläfert werden, weil die Tiere organisch so stark geschädigt und nicht mehr lebensfähig waren.
Ihm sei vorgeworfen worden, infolge falscher Fütterung oder zum Beispiel durch das Vorhandensein von Clostridium botulinum im Stall selbst Schuld an der Misere zu tragen. Den Verdächtigungen sei aber in allen Richtungen durch Untersuchungen nachgegangen worden – mit negativem Ergebnis.
Schwere Vorwürfe erhebt der CDU-Mandatsträger im Wetteraukreis und im Gemeinderat Wölfersheim gegen die Behörden und deren „lasche“ Zulassungspraxis, insbesondere gegen das für die Zulassung des BT 176 in Deutschland verantwortliche Robert-Koch-Institut. „Das Toxin, einmal ein der Welt, gelangt in den Kreislauf, über die Gülle zurück zu den Tieren und schließlich zum Menschen.“ Untersuchungen der Milch hätten nämlich ergeben, dass auch in der Milch Konstrukte des Toxins nachzuweisen sind. Der Mais tauge nicht einmal mehr als nachwachsender Rohstoff, zum Beispiel zur Biogaserzeugung: „Das Toxin ist teuflisch“.
Der inzwischen auch zum Mitautor des Buches „Gefahr Gentechnik“ avancierte Landwirt sieht nach der Katastrophe auf seinem Hof seine Aufgabe darin, die Sensibilität in Sachen Gentechnik zu schärfen. Von vorn herein habe er die Diskussion nie in Richtung Verbot der Grünen Gentechnik geführt, sondern in Richtung der Forderung, dass die Forschung sichere Produkte hervorbringen muss. Dazu gehörten Langzeitfütterungsversuche. Seinen leidvollen Erfahrungen sei es zum Beispiel zu verdanken, dass der BT 176 „eingestampft“ wurde. Auch ein GVO-Süßmais sei in Deutschland kurz vor dem „Menschenversuch“ vom Markt genommen worden. Seine Aufklärungskampagne habe ihn zu Politikern aller Couleurs geführt. Die von den CDU/CSU-Vertretern im Bundesrat bekämpfte Haftungsregelung des neuen Gentechnikgesetzes hält er dennoch für richtig. Auch befürwortet er die Schaffung von gentechnikfreien Zonen oder die Kennzeichnung von Feldern mit gentechnikfreier Produktion. (hmh)

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13.03.08

Gentechnikfreier Kreis
Aktionsbündnis formierte sich in Herbrechtingen

HERBRECHTINGEN. „Unser Ziel ist es, die Landwirtschaft im Kreis Heidenheim wie auch im Ostalbkreis gentechnikfrei zu erhalten, und daran arbeiten wir", sagte Andreas Mooslehner, Geschäftsführer vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND)."

Vor über dreißig interessierten Besuchern aus dem ganzen Landkreis informierte Am Donnerstagabend Mooslehner im Grünen Baum über den aktuellen Stand der Gentechnik. Er wies auf die Gefahren hin, in die konventionell arbeitende Landwirte rutschen, wenn sie mit gentechnisch verändertem Saatgut arbeiten: „Sie sind dann abhängig von einem Konzern und haben keine Wahlfreiheit mehr. Der entstehende Schaden für unsere Kulturland¬schaft ist dann nicht mehr rückgängig zu machen", betonte der Referent. Die Visionen der Gentechnik, die seit zwölf Jahren erforscht würden, hätten sich bisher nicht erfüllt. Noch werde in Baden-Württemberg nur auf wenigen Hektar gentechnischer Anbau unter wissenschaftlicher Aufsicht erforscht. Währenddessen würden bereits im bayrischen Nachbarkreis Donau-Ried schon weite Flächen bebaut. Um die Verbraucher und die tangierenden Berufsverbände glaubwürdig und umfassend zu informieren, ist eine Gro߬veranstaltung geplant. Der kanadische Landwirt und Träger des alternativen Nobelpreises Percy Schmeiser wird am 10. Mai als betroffener Bauer über die auftretenden Probleme in der gentechnisch veränderter Landwirtschaft sprechen. Der Veranstaltungsort ist offen, da noch eine große Halle gesucht wird. „Unser Ziel ist es, dass auch der hiesige Kreistag sich mit dem Thema beschäftigt. Die Kreisräte im Ostalbkreis haben bereits beschlossen, die Anbauregion Ostalb gentechnikfrei zu halten", informierte Mooslehner. Auch Christian Ziegler, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, und Kreisrätin Margit Stumpp bekundeten ihre ablehnende Haltung zur Gentechnik. Sorgen bereite beiden die fehlende Unterstützung der Landwirte in weiten Teilen der Bevölkerung. Es werde nur nach dem Preis geschaut, die Qualität stehe an zweiter Stelle.

Ausführlich diskutiert wurde über die vorliegenden Erklärungen der rund sechzig Landwirte, die sich bereits freiwillig verpflichtet haben, auf ihren Feldern kein genverändertes Saatgut zu verarbeiten. Die österreichischen Kollegen könnten Vorbild sein, denn sie arbeiten alle konventionell oder auf biologischer Basis.

Beschlossen wurde an diesem Informationsabend, keinen Verein zu gründen, sondern ein kreisweites Aktionsbündnis für eine gentechnikfreie Ostalb zu formieren. Wie im Nachbarkreis soll es über alle Parteigrenzen hinweg offen sein für alle interessierten Bürger. Vor allem Jugendliche wolle man ansprechen und für eine Teilnahme gewinnen, denn sie seien die Zukunft, betonte Mooslehner. Zum nächsten öffentlichen Treffen, das am 2. April um 20 Uhr wieder im Grünen Baum stattfindet, ist die Bevölkerung eingeladen. (eib - Heidenheimer Zeitung)

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11.04.08

Landkreis soll gentechnikfrei bleiben

KREIS HEIDENHEIM. Noch gibt es im Kreis keinen Anbau gentechnisch veränderter Pflan¬zen – und das soll auch so bleiben. Ein im März gegründetes Aktionsbündnis will der Agrarindustrie mit freiwilligen Selbstverpflichtungen von Landwirten den Boden entziehen, Landrat Hermann Mader arbeitet auf eine Resolution des Kreistags hin, die den Kreis zur gentechnikfreien Region erklärt.

von HENDRIK RUPP, Heidenheimer Zeitung v. 11.04.2008

Am Mittwoch trafen Vertreter des Aktionsbündnisses „Gentechnik-freie Anbauregion Heidenheim" erstmals mit Landrat Mader zusammen, um das Vorgehen abzustimmen. Vor Ort haben sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Naturschutzbund Nabu, der Heidenheimer Verein FÖR und die Imkervereine Heidenheim und Gerstetten mitsamt der Härtsfelder Imkerschule im März zu dem Aktionsbündnis zusammengeschlossen.

„Wir können nur überzeugen”: Die Aktionsbündnis-Vertreter (von links) Gerhard Moll (Imkervereine), Biolandwirt Hans-Peter Mack (FÖR), Michael Straub (Nabu) und Andreas Mooslehner (Geschäftsführer BUND Ostwürttemberg). Foto: ube

„Das Thema ist an der Haustür angekommen", so Andreas Mooslehner, Geschäftsführer des BUND Ostwürttemberg aus Aalen, wo der Kreistag bereits im Frühjahr eine Resolution verabschiedete, die den Ostalbkreis zur gentechnikfreien Anbauregion erklärt. Mehr als ein Appell sind derartige Resolutionen nicht, doch als Signal gelten die Resolutionen, die bereits in Dutzenden Landkreises vor allem in Süddeutschland verabschiedet wurden, als bedeutsam.

Laut Mooslehner gibt es im Donau-Ries-Kreis bereits zwei Versuchsfelder, auf denen gentechnisch veränderter Mais angebaut wird. Mit der Novelle des sogenannten „Gentechnikgesetzes" ist der Anbau einzelnen Bauern unter Umständen auch gegen den Willen von Anliegern gestattet. „Die Agrarkonzerne ködern einzelne Landwirte mit Geld und dem Versprechen hoher Gewinne", so Mooslehner.

Vor Ort setzt das Aktionsbündnis nicht allein auf eine Resolution: Möglichst viele der rund 700 landwirtschaftlichen Betriebe im Kreis sollen überzeugt werden, sich freiwillig dazu zu verpflichten, keine Gen-Pflanzen anzubauen.

Neu ist die Idee nicht: Bereits 2004 gab es einen entsprechenden Vorstoß im westlichen Landkreis: „Wir hatten damals bereits rund 70 Selbstverpflichtungserklärungen von Bauern aus der Gerstetter und Steinheimer Gegend beieinander", so Hans-Peter Mack, Biolandwirt aus Sontheim im Stubental und Vertreter des Vereins FOR im Aktionsbündnis. Damals sei die Masse jedoch noch zu gering gewesen für eine kreisweite Aktion, ein Antrag der Grünen im Kreistag auf Verabschiedung einer Resolution scheiterte.

Im Landratsamt sieht es inzwi¬schen anders aus: „Wir sind seit eineinhalb Jahren an dem Thema dran", so Landrat Hermann Mader gegenüber der Kreisredaktion: Neben dem Aktionsbündnis habe man auch das Landwirtschaftsamt und den Kreisbauernverband mit ins Boot geholt. Maders Position ist klar: „Wenn genügend Landwirte die Erklärungen unterschreiben, dann ziehen wir mit." Eine entsprechende Resolution sei das Ziel, mit den Interessen des Aktionsbündnisses kann sich der Landrat klar identifizieren: „Das Thema ist äußerst wichtig. Der Kreis Heidenheim muss mit seiner Natürlichkeit punkten. Hier ist kein Platz für Gentechnik." Der Kreis plant auch eigene Informationsveranstaltungen zu dem Thema.

Entsprechende Hoffnungen hegt auch Biolandwirt Mack: „Wir haben im Kreis mit die höchste Dichte an Ökobauern weit und breit." Dennoch müsse man in¬formieren und aufklären: "Die Gen-Industrie kommt mit viel Geld auf den Hof, wir können nur überzeugen." Tatsache sei, dass der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen den Bauern nur Nachteile bringe: „Die Industrie macht die Höfe abhängig, der Einsatz von Chemie sinkt nicht, sondern steigt erheblich." Man müsse nicht einmal ethische Überlegungen anstellen, um den Unsinn der Agro-Gentechnik zu erkennen.

Doch die Konzerne seien auf dem Vormarsch: „Die Gentechnik kann auch schleichend über inzwischen legale Beimischungen im Saatgut kommen", so Mack. Und seitens der Imker verweist Gerhard Moll auf die nicht eingrenzbare Verbreitung von Feld zu Feld: „Wenn wir die ersten veränderten Pollen finden, wäre das der Super-GAU." Dass man der Wirtschaft am Ende nur mit wirtschaftlichem Druck Paroli bieten kann, davon ist Michael Straub vom Nabu überzeugt: „In Österreich gibt es Hersteller, die absoluten Wert auf gentechnikfreie Produkte legen." Dort sei der Einstieg in die Gentechnik für Landwirte praktisch ruinös.

BUND-Geschäftsführer Andreas Mooslehner hofft in den kommenden Wochen und Monaten auf Unterstützung aus vielen gesellschaftlichen Bereichen: „Es kann jeder mitmachen, ob Obst- und Gartenbauverein oder Kirchen." Schließlich, so die Gentechnik-Gegner, rühre die Industrie letzten Endes an die Grundfesten der Natur: „In den USA gibt es Ansätze, sich nicht nur Pflanzen, sondern sogar gentechnisch veränderte Organe von Tieren patentieren zu lassen. Da werden alle ethischen Grenzen überschritten."

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13.05.08
„Der größte Angriff auf das Leben“

Landwirt Percy Schmeiser (Kanada) berichtet über
die Landwirtschaft mit gentechnisch veränderten Pflanzen

Heidenheim. Trotz des lauen Frühsommerabends strömten am Samstagabend die Besucher ins Heidenheimer Konzerthaus. Das Thema Gentechnik in der Landwirtschaft stieß auf großes Interesse, und viele waren gekommen, um sich die Erfahrungen des kanadischen Landwirts Percy Schmeiser anzuhören. Eingeladen hatte das Aktionsbündnis „Gentechnikfreie Anbauregion Kreis Heidenheim”.

Von Silja Kummer (Heidenheimer Neue Presse)

Landrat Hermann Mader, der das Ansinnen des Aktionsbündnisses unterstützt, war persönlich zum Vortrag des Trägers des Alternativen Nobelpreises 2007 gekommen, Oberbürgermeister Bernhard Ilg hatte Schmeiser zuvor im Rathaus empfangen, wo der Gast sich in das goldene Buch der Stadt Heidenheim eintrug.

Von den eingeladenen Abgeordneten, die in den überregionalen Parlamenten mit dem Thema konfrontiert werden könnten, sei keiner gekommen, bedauerte Landwirt und FÖR-Vorstandsmitglied Hans-Peter Mack aus Sontheim/Stubental. Dafür war das Interesse der anwesenden Zuhörer groß, sich bereits vor oder nach dem Vortrag in die Unterschriftenlisten für die gentechnikfreie Anbauregion Kreis Heidenheim einzutragen. Percy Schmeiser, der von Walter Haefeker vom Verband europäischer Berufsimker übersetzt wurde, appellierte an die Bürger in Europa: „Ich bin nicht gekommen, um Ihnen zu sagen, was Sie tun sollen. Ich bin gekommen, um Ihnen von unseren Erfahrungen zu berichten. Wir hatten niemand, der uns gewarnt hat, aber Sie können nicht sagen, dass Sie nicht wussten, was passieren wird, wenn Sie den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen zulassen."

In Kanada und den USA werden seit 1996 gentechnisch veränderte Pflanzen - Mais, Soja, Raps und Baumwolle - angebaut. Diese wurden hauptsächlich von multinationalen Konzern Monsanto entwickelt und an die Landwirte verkauft. Der heute 77-jährige Schmeiser baute auf konventionelle Weise Raps an. 1998 verklagte der Konzern Monsanto Schmeiser,
weil er gentechnisch verändertes Saatgut ohne Genehmigung der Firma verwendet haben sollte. „Es gab keine Beweise dafür, dass ich jemals gentechnisch verändertes Saatgut verwendet habe", erzählte Schmeiser. Jedoch fanden sich die veränderten Gene durch Auskreuzung auch auf Schmeisers Feldern.

In erster Instanz gab das Gericht Monsanto in vollem Umfang Recht: Saatgut und Pflanzen und damit auch Schmeisers Gewinn aus der Rapsernte von 1998 wurden dem Konzern zugesprochen.

Schmeiser ging zweimal in Revision, schließlich landete der Fall vor dem Obersten Gerichtshof Kanadas. Dort, so berichtete Schmeiser, konnte er auch noch andere Themen in die Verhandlung einbringen: Können lebende Organismen - Saatgut, Pflanzen, Tiere. Organe - von einem Konzern besessen werden? Können Landwirte das Recht behalten, ihr eigenes Saatgut anzubauen? Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs fiel zwar zugunsten von Schmeiser aus, der nichts bezahlen musste, da er laut Gerichtsurteil keinen Vorteil aus der Verunreinigung seines Rapses zog. Jedoch bestätigte das Gericht das Patentrecht von Monsanto auf das veränderte Gen. Dies bedeutet, dass alle Lebewesen, in denen das Gen nachgewiesen werden kann, dem Konzern gehören.

Schmeiser gelang es jedoch, den vermeintlichen Sieg für Monsanto umzukehren: Als 2005 wieder verunreinigter Raps auf seinen Äckern wuchs, machte er den Konzern für die Entfernung des Saatgutes verantwortlich. „Wer eine Lebensform freisetzt, die ihm gehört, muss auch dafür verantwortlich sein, was diese für Schäden anrichtet", argumentierte Schmeiser. Wer es unmöglich mache, gentechnikfreie Lebensmittel herzustellen, müsse dafür haften, meint der Kanadier.

Schmeiser verklagte Monsanto auf die Rückerstattung der Kosten für die Entfernung der Monsanto-Pflanzen aus seinen Feldern. Der Konzern einigte sich außergerichtlich mit ihm. „Das war nicht nur ein Erfolg für uns, sondern für die Landwirte auf der ganzen Welt", so Schmeiser. Bereits jetzt gebe es in Kanada Bio-Landwirte, die Monsanto verklagen.

Der Freiland-Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen habe immense Folgen: „Es gibt kein gentechnikfreies Rapssaatgut mehr in Kanada", sagte Schmeiser. Zudem kreuze sich das Gen auch in artverwandte Pflanzen, etwa Rettich, Blumenkohl oder wilden Senf aus. ,,Es gibt keine Ko-Existenz zwischen Gentechnik und konventionellem Anbau", so Schmeiser. Die Verbreitung des veränderten Saatgutes könne nicht kontrolliert werden. Abstandsstreifen seien völlig sinnlos: „Der Pollen wird nicht nur vom Wind weitergetragen, sondern auch von Vögeln und Wild verschleppt", berichtete er. Den Konzernen gehe es nur darum, die Kontrolle über das Saatgut zu gewinnen.

Zudem sei ein Superunkraut entstanden, das nur mit einem Superunkrautvernichtungsmittel aus dem Weg geschafft werden könne. Hersteller des Spritzmittels: Monsanto. Wirkstoff laut Percy Schmeiser zu 70 Prozent „Agent Orange", ein Entlaubungsmittel, das die USA im Vietnamkrieg großflächig und mit katastrophalen gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung angewendet hatten. Hersteller des Gifts: Monsanto.

Den „größten Angriff auf das Leben unseres Planeten, den wir je gesehen haben", nannte Schmeiser die Entwicklung des so genannten „Terminator Gens". Dieses mache die Samen von Pflanzen steril, so dass die Pflanze nicht mehr ohne den Einkauf von Saatgut angebaut werden kann. „Auch dieses Gen kann sich in artverwandte Wildpflanzen auskreuzen, die dann auch steril werden."
Für seine aufrüttelnden Worte wurde er vom Publikum mit stehenden Ovationen bedacht.

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