Kreis Heidenheim  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachwachsende Rohstoffe


22.02.03 Demeter-Rapsöl als Speiseöl
11.11.03 Pflanzenöl setzt sich durch
27.05.08 Geradewegs in die Sackgasse

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22.02.03
Gemeinschaftsveranstaltung von FÖR und Solar Mobil Heidenheim
Demeter-Rapsöl als Speiseöl

(hmh) Die Hoffnung von Solar Mobil Heidenheim, in der Region ökologisches Rapsöl produzieren zu können, um daraus einen ökologisch einwandfreien Ersatztreibstoff für Dieselfahrzeuge zu gewinnen, wurde im Vortrag von Gyso von Bonin bei der Gemeinschaftsveranstaltung von FÖR und Solar Mobil Heidenheim nicht erfüllt. Dies war das eine Fazit des Vortragsabends, das andere: ökologischer Rapsanbau ist möglich, was landläufig von der konventionellen Bauernschaft bezweifelt wird, und bringt für die landwirtschaftliche Kreislaufwirtschaft Vorteile.

Gyso von Bonin, der das Gut Körtlinghausen bei Warstein am nördlichen Rand des Sauerlands bewirtschaftet, ersetzte 2002 in seinem ausgedehnten landwirtschaftlichen Fuhrpark 12.000 Liter Diesel durch Rapsöl. „Ökologisches Rapsöl wäre dafür aber viel zu schade und zu teuer“, sagte der Demeter-Betriebsleiter und erklärte, dass er ins nordrhein-westfälische 100-Schlepper-Programm aufgenommen wurde, das bei voller Risikoübernahme den Betrieb seiner umgestellten Schlepper wissenschaftlich begleitet. Sommers würde er auch andere Fahrzeuge wie Mähdrescher mit Rapsöl fahren. Für den Winterbetrieb müssten die Fahrzeuge jedoch umgerüstet werden, eine Erfahrung, die sich mit den Heidenheimer Pflanzenölfahrern deckt.

Von Bonin war es wichtig zu zeigen, dass ökologischer Rapsanbau nur ganzheitlich, das heißt innerhalb eines größeren Systems möglich ist. Es gebe kein Rezept, sondern man müsse sich in den Bedarf der Rapspflanze hineindenken. In der 11-gliedrigen Fruchtfolge auf dem Hofgut stehe Raps an dritter Stelle nach Roggen mit Kleeuntersaat und Kleegras, welches zwei Jahre stehen bleibt. Danach komme Weizen, denn Raps erhalte den guten Boden, der vom Kleegras herrührt. Nach Stillegung und Landsberger Gemenge mit Inkarnatklee folge an siebter Stelle eine Zwischenfrucht, die den Zweck habe, etwas gegen die Schnecken zu tun, wobei dynamisierte Schneckenasche gespritzt werde. Danach folge Wintergerste, dann eine Zwischenfrucht aus Malven und Wicken zur Bodenverbesserung. Hafer, Kartoffeln und Bohnen seinen die letzten Früchte in der „Runde“. Immer wieder betonte von Bonin dieBedeutung des Hackens, was in Körtlinghausen maschinell ausgeführt wird. Raps brauche auch Spritzungen mit Kieselpräparaten, um die Qualität zu verbessern. Auch die Tierhaltung sei unerlässlich, um einen hochwertigen Kompost zu erzeugen. Bezüglich Schlagvorbereitung, bevorzugter Witterung, Pflege und Ernte des Rapses ging der Referent weiter in Einzelheiten. Im Schnitt erntet von Bonin 22 bis 23 Doppelzentner Raps von einem Hektar. Selten würden Schädlinge eine Schadschwelle von fünf Prozent überschreiten.

Der Raps wird in einer eigenen Presse kalt gepresst, ab Hof in Flaschen abgefüllt und geht zu einem Preis in den Verkauf, der doppelt so hoch ist wie das konventionelle Rapsöl. Der Rest, der sogenannte Rapskuchen stelle mit Hafer vermengt ein hochwertiges Kraftfutter dar. „Raps rundet die Kreislaufwirtschaft am Hof hervorragend ab“, so das Fazit des Referenten.

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11.11.03
Thomas Kaiser bei FÖR
Pflanzenöl setzt sich durch

(hmh) „Ein erheblicher Markt für Pflanzenöl und die entsprechenden Technologien tut sich auf, sobald der Dieselpreis die Marke von einem Euro übersteigt“. Dies sagte Thomas Kaiser, Geschäftsführer der Vereinigten Werkstätten für Pflanzenöltechnologie (VWP) in seinem Vortrag bei FÖR voraus. Vorreiter sei der landwirtschaftliche Sektor, da der Landwirt bereits heute auf seiner eigenen Fläche den für die Traktoren benötigten Diesel durch Pflanzenöl günstig ersetzen könne. So habe auch bereits eine große Schlepperfirma mit VWP einen Vertrag zur Know-how-Übertragung für die Serienproduktion von Pflanzenöl-Traktormotoren abgeschlossen. In Eselsburg laufe ein von VWP umgerüsteter Schlepper.

Kaiser wählte einen philosophischen Einstieg ins Thema. Samen enthielten in Form des Öls die denkbar dichteste Energiepackung, um die für das Keimen notwendige Energie zur Verfügung zu haben. Sobald die ersten Keimblätter ihre Sonnensegel dem Licht entgegenreckten, werde die Energieversorgung mittels Photosynthese direkt auf Sonne umgeschaltet. Im Verbund mit hochwertigen Eiweißen habe der Samen hervorragende Startchancen. Das Öl werde verbraucht und seine Abbauprodukte gingen in den Kreislauf zurück, ebenso die zweite Samenkomponente, hochwertiges Eiweiß, welches zuvor in der Pflanze gebunden werde. “Wenn es uns gelingt, diese Kreisläufe zu imitieren, können wir unser Klimaproblem lösen“, resümierte der Redner.

Die Firma befasst sich auch mit Forschungen an Ölsaaten, wobei ausschließlich auf ökologische Erzeugung gesetzt wird. Man rät gänzlich von Raps-Monokulturen ab und setzt vielmehr auf Mischkulturen wie Erbse in Kombination mit Leindotter. Letzterer reduziere den Ertrag der Hauptanbaufrucht in keiner Weise. Im Gegenteil, das Öl des Leindotters sei eine Gratis-Zugabe. Kaiser sieht bei der Untersuchung von Pflanzengemeinschaften zur Ölgewinnung noch großen Forschungsbedarf.

Nach Beschreibung einer Ölmühle und des Nutzens des Kuchens als hervorragendes Viehfutter („die Tiergesundheit steigt infolge der hocheiweißhaltigen Nahrung“) ging der Referent auf die Motorentechnik ein. Insbesondere hob er das Elsbeth-Prinzip hervor, dessen Vorteil es sei, dass die Zapfendüse schräg angebracht ist, sodass das Öl mit einem Drall in den Verbrennungsraum eingespritzt werde und mit der Zylinderwand nicht in Berührung komme. Die Firma rüstet neben Traktoren auch PKW-Motoren um, in der Weise, dass sowohl mit Diesel als auch mit Pflanzenöl gefahren werden kann. Am günstigsten umzurüsten sind Motoren mit Vor- und Wirbelkammern. Aber auch Umrüstungen von Turbo-Diesel-Direkteinspritzern sind im Angebot. Ein Zweitank-System sei nicht erforderlich und die Verwendung eines solchen beweise nur, dass das Fahrzeug nicht wirklich an den Pflanzenkraftstoff angepasst sei. Der bivalente Einsatz werde durch ein bei VWP eingebautes Kraftstofferkennungssystem ermöglicht.

Statt den sanften und angepassten Weg zu gehen wie ihn die Firma mit ihrer Pionierforschung und -anwendung vorzeichne, hätten die USA mit dem gewaltsamen Griff nach dem irakischen Öl nur das kurzsichtige Überleben alter Strukturen ihres Staates im Sinn, welchesbedeute, dass die Entwicklung zu angepassten Technologien infolge des bewusst niedrig gehaltenen Ölpreises behindert wird, reflektierte der Redner das weltpolitische Geschehen.

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27.05.08
Geradewegs in die Sackgasse
Pflanzenölwirtschaft Teil der Lösung

Thomas Kaiser, Gesellschafter der Vereinigten Werke für Pflanzenölforschung (VWP), begnügte sich nicht mit einem reinen Sachvortrag. Er spitzte zu, nahm kein Blatt vor den Mund und fesselte die Zuhörer über zwei Stunden mit Alleinunterhalterqualitäten. Seine zentrale Botschaft beim von Solar mobil Heidenheim veranstalteten Abend war die Mahnung vor der Fahrt in die Sackgasse und das Andeuten eines Wegs heraus.

„Der Massenverkehr wird nicht haltbar sein“, sagte der Alt-68-er angesichts der Tatsache, dass die Schere von Ölförderung und -verbrauch immer weiter auseinander geht. „Auch mit Hybrid- oder Elektromotoren wird sich die bisherige Mobilität nicht aufrecht erhalten lassen. Wir haben eine ausgezeichnete Motorentechnik entwickelt, aber wir wenden Sie falsch an.“ Die Motorkraft sollte zur „Sklavenarbeit“ eingesetzt werden, zum Ersatz von schwerer körperlicher Arbeit, zum Transport von Gütern und zum Heizen und Kühlen.

Der in Kreisläufen denkende Redner, der auch einen landwirtschaftlichen Bio-Hof betreibt, sieht den Sündenfall im Ausstieg aus den natürlichen Kreisläufen mit dem Einstieg ins Mineralölzeitalter. Die Ölseen unter der Erde brachten nicht nur nicht recycelbare Produkte, sondern auch den CO2-Anstieg. Der schwankende CO2-Gehalt zwischen Sommer- und Winterhalbjahr betrachtet der Redner als Atmung. „Der Mensch könnte das Ein- und Ausatmen steuern!“ Mit einem intensiven Acker- und Pflanzenbau könnte seiner Meinung nach überschüssiges CO2 gebunden werden. Man dürfe dabei allerdings nicht zusätzlichen vom Erdöl stammenden Dünger in den Boden bringen. Der Dünger müsse vielmehr Ergebnis einer intensiven Humuswirtschaft sein. Besonders geeignet dafür seien Mischkulturen, die den Boden vollständig bedecken (Sommergerste/Senf oder Erbse/Leindotter).

Das Pflanzenöl passe ausgezeichnet in den Kreislauf. Wer Pflanzenöl zum Arbeiten im oben genannten Sinne verwendet, fördere gleichzeitig die Produktion von Eiweiß, das im Ölkuchen, dem Pressrückstand, enthalten sei. Damit könnten Tiere und Menschen ernährt werden. Aus deren Rückständen werde Humus, aus der Verbrennung des Öls das CO2, das die Pflanze zum Atmen braucht. Pflanzenöl wird hierzulande überwiegend aus Raps gewonnen, der aber kaum biologisch angebaut werden kann. Dagegen liefere der beiläufig in Mischkultur produzierte Leindotter hervorragendes Öl. Das Öl an sich sei das dichteste Medium in Bezug auf den enthaltenen Wasserstoff und werde daher auch in der Natur als „Antriebsmittel“ benutzt (Start der Keimung).

Dass die Große Koalition von Beginn an das Pflanzenöl besteuert und den Beimischzwang zum Diesel erzwungen habe, bezeichnete er als Skandal. „Die bösen Buben haben unsere 600 dezentralen Ölmühlen gestoppt. Das Pflanzenöl soll zu den Ölmultis, nicht zum einfachen Menschen“. Der Sinn dieser Maßnahme sei gewesen, die dezentrale Ölwirtschaft abzutöten, „sonst wären wir jetzt bei 1000 Ölmühlen in Deutschland. Die Zusammenarbeit mit dem Traktorenhersteller John Deer habe der VWP das Leben gerettet, da sie keine Forschungsgelder von der Bundesregierung erhalte.

Die VWP erforscht die Verwendung von Pflanzenöl in Verbrennungsmotoren und nimmt auch Umstellungen vor. Der Dieselmotor könne Pflanzenöle in der Regel nicht ohne Eingriffe vertragen. Am besten geeignet seien Vor- oder Wirbelkammermotoren, insbesondere der 1,9-Liter-VW-Motor (in VW, Audi, Seat und Skoda). Der herkömmliche Motor benötige zumindest größere Leitungsquerschnitte, eine Kontrolle der Viskosität und eine an das jeweilige Öl angepasste Strahlgeometrie der Düse. Direkteinspritzer seien wesentlich komplizierter. (Mehr dazu unter www.vwp-europe.com ). Der Dieselmotor sei dem Ottomotor ökologisch auch wegen seines höheren Wirkungsgrads (40 %) überlegen. Der Unterschied werde noch größer, wenn dem Treibstoff nachwachsende Rohstoffe beigemischt werden (müssen), denn der Alkohol verschlechtere den Wirkungsgrad des Ottomotors zusätzlich.

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